Wie kann Journalismus dazu beitragen den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken? Welche Geschichten fördern Teilhabe statt Polarisierung? Und wie lassen sich die vielfältigen Lebensrealitäten in Deutschland medial sichtbar machen? Welche Rolle spielt Religion für ein besseres Miteinander? Wie wachsen Ost und West zusammen? Antworten auf diese Fragen sucht der Zwischenwelten Medienpreis 2026, der erstmals ausgelobt wird. Ausgezeichnet werden journalistische und mediale Beiträge, die sich mit Vielfalt, demokratischer Teilhabe und der Rolle der Medien in einer pluralen Gesellschaft auseinandersetzen. Bewerbungen sind bis zum 15. September 2026 möglich. Die Preisverleihung findet am 3. Oktober, dem Tag der Deutschen Einheit, in Berlin statt.
36 Jahre nach der deutschen Wiedervereinigung wird die Frage nach gesellschaftlichem Zusammenhalt neu gestellt. Unterschiedliche Lebensrealitäten, kulturelle Erfahrungen, religiöse Überzeugungen und politische Sichtweisen prägen den öffentlichen Diskurs und werden oft als Bedrohung für den gesellschaftlichen Zusammenhalt dargestellt. Medien kommt dabei eine besondere Verantwortung zu: Sie können Orientierung geben, Brücken zwischen gesellschaftlichen Gruppen bauen und die demokratische Teilhabe fördern – oder bestehende Konflikte verschärfen und Polarisierung verstärken.
Der neue Medienpreis versteht sich als Auszeichnung für Journalismus in der postmigrantischen Gesellschaft. Der Begriff beschreibt eine gesellschaftliche Realität, in der Migration längst kein Randphänomen mehr ist, sondern Deutschland nachhaltig geprägt hat. In einer postmigrantischen Gesellschaft geht es nicht mehr um die Frage, ob Menschen mit Migrationsgeschichte dazugehören, sondern darum, wie Menschen mit unterschiedlichen kulturellen, religiösen und sozialen Erfahrungen das Zusammenleben gemeinsam gestalten.
Der Zwischenwelten Medienpreis versteht die postmigrantische Gesellschaft deshalb nicht als politisches Schlagwort, sondern als gesellschaftliche Realität und journalistischen Auftrag. Er möchte Medienschaffende ermutigen, Geschichten zu erzählen, die unterschiedliche Perspektiven sichtbar machen, Vorurteile hinterfragen und den demokratischen Dialog fördern. Im Mittelpunkt stehen Beiträge, die Orientierung geben, Verständnis schaffen, das Gemeinwohl im Blick haben und den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken.
„Gesellschaftlicher Zusammenhalt entsteht nicht von selbst. Er braucht Journalismus, der zuhört, erklärt und unterschiedliche Lebensrealitäten sichtbar macht. Mit dem Zwischenwelten Medienpreis möchten wir Medienschaffende ermutigen, Geschichten zu erzählen, die Brücken bauen und den Beitrag von allen gesellschaftlichen Gruppen Raum gibt."
Süleyman BağProjektleiter des Projekts „Zwischenwelten – Die Stimme der Vielfalt"
Geschichten, die Perspektiven erweitern
Gesucht werden journalistische Arbeiten, die differenziert berichten, neue Perspektiven eröffnen und einen konstruktiven Beitrag zur demokratischen Öffentlichkeit und dem Gemeinwohl leisten. Ob Reportage über ehrenamtliches Engagement, Podcast über das Zusammenleben verschiedener Generationen, Dokumentarfilm über religiöse Vielfalt oder Multimedia-Projekt zu neuen Formen gesellschaftlicher Teilhabe – gefragt sind Beiträge, die Menschen miteinander ins Gespräch bringen und zeigen, wie Zusammenhalt in einer immer vielfältigen Gesellschaft gelingen kann.
„Journalismus sollte stärke die Vielfalt einer Stadtgesellschaft sichtbar machen. Gerade auf der Kiezebene entstehen Geschichten, die zeigen, wie Menschen trotz unterschiedlicher Erfahrungen gemeinsam leben und Verantwortung übernehmen. Diese Perspektiven verdienen mehr Aufmerksamkeit und Anerkennung."
Dominique HenselChefredakteurin des Brunnenmagazins und Mitinitiatorin des Medienpreises
Breites Teilnehmerfeld
Teilnehmen können Journalistinnen und Journalisten, Autorinnen und Autoren, Bloggerinnen und Blogger, Podcasterinnen und Podcaster, Filmemacherinnen und Filmemacher sowie Studierende medienbezogener Studiengänge. Auch Bürgermedien, Community-Medien und Medieninitiativen sind eingeladen. Voraussetzung ist ein Bezug zu Berlin – entweder durch den Wohn- oder Arbeitsort der Einreichenden oder durch den thematischen Schwerpunkt des Beitrags.
Eingereicht werden können Zeitungs- und Magazinbeiträge, Online-Artikel, Reportagen, Interviews, Essays, Podcasts, Video- und Filmproduktionen, Multimedia-Formate sowie journalistische Beiträge für soziale Medien.
Themen unserer vielfältigen Gesellschaft
Der Wettbewerb richtet sich an Beiträge, die sich mit aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen beschäftigen. Dazu gehören unter anderem:
- gesellschaftlicher Zusammenhalt in einer vielfältigen Gesellschaft
- die Rolle der Medien für Demokratie und Teilhabe
- Verständigung zwischen unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen
- Perspektiven einer postmigrantischen Gesellschaft
- Religion, Humanismus und gesellschaftlicher Zusammenhalt
- Frieden und Dialog sowie
- Visionen für das Berlin der Zukunft
Zugelassen sind Arbeiten, die zwischen dem 1. Januar 2025 und dem 31. August 2026 veröffentlicht wurden.
„Journalismus trägt eine besondere Verantwortung für die demokratische Öffentlichkeit. Wer unterschiedliche Perspektiven sorgfältig recherchiert, Fakten einordnet und verschiedene Stimmen zu Wort kommen lässt, schafft die Grundlage für eine informierte gesellschaftliche Debatte. Der Zwischenwelten Medienpreis setzt ein wichtiges Zeichen für verantwortungsvollen Qualitätsjournalismus in einer gemeinwohlorientierten Gesellschaft."
Prof. Dr. Sabine SchifferMedienwissenschaftlerin, Leiterin des Instituts für Medienverantwortung und Jurymitglied
Jury und Preisgelder
Die Jury bewertet die eingereichten Arbeiten nach journalistischer Qualität, Originalität, gesellschaftlicher Relevanz, Perspektivenvielfalt sowie ihrem Beitrag zu demokratischer Debatte, Dialog und Verständigung.
Der Medienpreis ist mit insgesamt 3.000 Euro dotiert. Vergeben werden:
Darüber hinaus kann die Jury Anerkennungen und lobende Erwähnungen aussprechen.
Der Jury gehören Persönlichkeiten aus Journalismus, Wissenschaft, Kultur und Zivilgesellschaft an:
- Dominique Hensel (Chefredakteurin Brunnenmagazin)
- Süleyman Bağ (Projektleiter Zwischenwelten)
- Prof. Dr. Sabine Schiffer (Institut für Medienverantwortung)
- Bernd Lammel (Fotojournalist)
- Kerstin Nickig (Filmemacherin)
- Iskender Sezek (Exiljournalist)
Bewerbung bis 15. September
Beiträge können vom 1. Juli bis zum 15. September 2026 per E-Mail an Medienpreis@zwischenwelten.berlin eingereicht werden.
Erforderlich sind der Beitrag oder ein Link zum Beitrag, eine Kurzbeschreibung (maximal 300 Wörter), die Kontaktdaten sowie ein Nachweis des Berlin-Bezugs.
Die Preisverleihung findet am 3. Oktober 2026 in Berlin statt.
Über das Projekt
Der Zwischenwelten Medienpreis ist Teil des Projekts „Zwischenwelten – Die Stimme der Vielfalt". Das interkulturelle Medien-, Kultur- und Bildungsprojekt wird von Kubik e.V., der Evangelischen Kirchengemeinde am Gesundbrunnen sowie den Journalist:innen Dominique Hensel und Andrei Schnell getragen.
Ziel des Projekts ist es, demokratische Öffentlichkeit, gesellschaftliche Teilhabe und den Dialog in einer vielfältigen Stadtgesellschaft zu stärken. Gefördert wird das Projekt von der Berliner Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt sowie dem kommunalen Wohnungsunternehmen degewo.
Ein Preis mit Signalwirkung
Mit dem Zwischenwelten Medienpreis entsteht in Berlin erstmals eine Auszeichnung, die den Blick gezielt auf Journalismus in der postmigrantischen Gesellschaft richtet. In einer Zeit zunehmender gesellschaftlicher Polarisierung will der Preis jene Geschichten sichtbar machen, die Verständnis fördern, unterschiedliche Lebenswelten miteinander verbindet und demokratische Debatten bereichert. Er versteht sich damit nicht nur als Würdigung herausragender journalistischer Arbeiten, sondern auch als Impuls für den Journalismus insgesamt.